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Das Agile Manifest

  • Autorenbild: Stephan Bellmann
    Stephan Bellmann
  • 17. Juli 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. März

Das Agile Manifest wurde 2001 veröffentlicht und es hat bis heute einen enormen Einfluss auf die agile Arbeitsweise in Projekten und darüber hinaus. Es dient oft als Grundlage, um Agilität erklären zu wollen. “Scrum als Framework ist nicht agil, erst die agilen Prinzipien, die sich am Agilen Manifest orientieren, machen die Methode wirklich agil”! So wird es häufig von Agilisten behauptet. Aber was genau ist das Agile Manifest? Und wie ist es zu diesem einflussreichen Manifest gekommen? Genau darum soll es in diesem überschaubaren Artikel gehen.


Der Weg zum Agilen Manifest

2001 wurde das Agile Manifest veröffentlicht. Im Zuge der immer weiter aufkommenden Softwareentwicklung kam es vor der Veröffentlichung des Agilen Manifestes zu vielen Ansätzen, um speziell die Softwareentwicklung effektiver zu gestalten. Im Folgenden werden ein paar Modelle benannt, die versucht haben, einen Lösungsansatz zu finden. 

1991 wurde RAD (Rapid Application Development) von Barry Boehm entwickelt. Einfach erklärt, handelt es sich dabei um eine Softwareentwicklungsmethode, bei der eine iterative Abfolge im Fokus steht. Hierbei spielt das Prototyping eine wichtige Rolle, in dem das Produkt bzw. eine Änderung zunächst vorgestellt und angepasst wird, um es dann wieder neu aufzubauen. Wenn dieser iterative Prozess fertig ist, wird es getestet und implementiert.

Übersicht Rapid Application Development
Bild 1: Übersicht Rapid Application Development

Die Dynamic Systems Development Method, kurz DSDM, wurde 1994 von einem DSDM-Konsortium ins Leben gerufen und vereinfacht hauptsächlich das Projektmanagement. Nachdem im Pre-Project entschieden wurde, ob das Projekt initiiert wird, wird es danach auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft (Feasibility). Danach wird sichergestellt, dass die Inhalte des Projektes gut verstanden sind (Foundation). In einem nächsten Schritt werden die Details von jedem verstanden (Exploration), bevor es dann in die eigentliche Entwicklung geht (Engineering). Danach wird die Lösung zur Verfügung gestellt. Die Inhalte der genannten Projektblöcke können iterativ durchlaufen werden, wobei der Prozess in Richtung aller anderen Projektblöcke variieren kann.

Übersicht Dynamic Systems Development Method
Bild 2: Übersicht Dynamic Systems Development Method

Das Besondere an DSDM ist im Bezug auf das agile Manifest, dass hier erste konkrete Prinzipien definiert wurden, die sich an die Arbeitsweise der einzelnen Mitarbeiter richten:

  • Konzentration auf die Bedürfnisse des Nutzers

  • Pünktliche Lieferung

  • Gemeinsame Arbeit

  • Keine Kompromisse bei der Qualität

  • Schrittweise Entwicklung auf der Grundlage eines stabilen Fundaments

  • Iterative Entwicklung

  • Regelmäßige und klare Kommunikation

  • Zeigen Sie, dass Sie das Projekt im Griff haben



Scrum wurde 1995 von Ken Schwaber und Jeff Sutherland veröffentlicht. Die beiden hatten zuvor ihre entwickelten Modelle kombiniert und auf dieser Grundlage das Scrum-Modell entwickelt. Scrum ist ebenfalls eine Methode zur effektiven Umsetzung agiler Projekte. Es soll an dieser Stelle aber nicht weiter auf die Inhalte von Scrum eingegangen werden, da diese Methode sehr weit verbreitet ist. Es ist aber wichtig, dass es sich hierbei um einen iterativen Prozess handelt mit agil orientierten Prinzipien, die sehr viele Parallelen zum Agilen Manifest aufweisen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass Ken Schwaber und Jeff Sutherland bei der Entwicklung des Agilen Manifests mitgewirkt haben.

Übersicht Scrum Methode
Bild 3: Übersicht Scrum Methode

Extreme Programming (1996), Feature Driven Development (1997) und Unified Process (1998) sind ebenfalls Methoden, die für agiles Arbeiten gedacht sind.

Bei den vorgestellten Entwicklungsmethoden waren die Probleme der traditionellen Softwareentwicklung die treibende Kraft für das Streben nach agilen Ansätzen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Softwareentwicklung sehr dynamisch gehalten werden kann. Die Entwicklung bei Softwareentwicklungsprojekten ist in der Regel agiler als beispielsweise bei der physischen Produktentwicklung oder bei Bauprojekten. Allerdings gibt es auch hier bereits agile Ansätze.


Das Agile Manifest

17 Personen haben sich zusammengesetzt, um das Agile Manifest zu entwickeln und 2001 zu veröffentlichen. Zu den Entwicklern des Agilen Manifests gehörten Personen, die bereits an der Entwicklung der oben genannten Modelle beteiligt waren. So waren beispielsweise Ken Schwaber und Jeff Sutherland an der Entwicklung des Scrum-Modells und Kent Beck an der Entwicklung des XP-Modells beteiligt.

„Das Agile Manifest ist die Grundlage für agiles Projektmanagement und wurde 2001 unter dem Namen Manifesto for Agile Software Development von Kent Beck, Ken Schwaber, Jeff Sutherland, Alistair Cockburn und 13 weiteren Autoren veröffentlicht. So beschreibt Lena Pritzl das agile Manifest im Project Magazine. Das Agile Manifest besteht aus 4 Werten und 12 Prinzipien.

Darstellung des Agilen Manifests
Bild 4: Darstellung des Agilen Manifests

Die vier Werte

Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge

Funktionierende Software über umfassende Dokumentation

Zusammenarbeit mit dem Kunden über Vertragsverhandlungen

Eingehen auf Veränderung über Befolgen eines Plans


Es ist wichtig zu beachten, dass die Werte auf der rechten Seite nicht als unwichtig definiert sind. Dies wird ausdrücklich und direkt unter dem Wertevergleich erwähnt:

„Das heißt, obwohl die Werte auf der rechten Seite wertvoll sind, schätzen wir die Werte auf der linken Seite mehr.“


Die zwölf Prinzipien

Wichtige Inhalte der 12 festgelegten Prinzipien sind die frühzeitige und kontinuierliche Auslieferung von funktionierender Software als Maßstab für den Fortschritt. Nachträgliche Änderungen von Anforderungen sollten einfach zu handhaben sein. Tägliche, interdisziplinäre Kommunikation und Zusammenarbeit sowie selbstorganisierte Teams sind ebenfalls wichtige Bestandteile der Prinzipien.


  1. Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Lieferung von wertvoller Software zufrieden zu stellen.

  2. Anforderungsänderungen sind auch spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse machen Veränderungen für den Wettbewerbsvorteil des Kunden nutzbar.

  3. Liefern Sie regelmäßig, alle paar Wochen bis alle paar Monate, funktionierende Software, wobei ein kürzerer Zeitrahmen bevorzugt wird.

  4. Geschäftsleute (Fachleute) und Entwickler müssen während des gesamten Projekts täglich zusammenarbeiten.

  5. Bauen Sie Projekte um motivierte Einzelpersonen herum auf. Geben Sie ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie brauchen, und vertrauen Sie darauf, dass sie die Arbeit erledigen werden.

  6. Die effizienteste und effektivste Methode der Vermittlung von Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams ist ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

  7. Funktionierende Software  ist der primäre Maßstab für den Fortschritt.

  8. Agile Prozesse fördern die nachhaltige Entwicklung. Die Sponsoren, Entwickler und Benutzer sollten in der Lage sein, auf unbestimmte Zeit ein konstantes Tempo beizubehalten.

  9. Kontinuierliche Aufmerksamkeit für technische Exzellenz und gutes Design erhöht die Agilität.

  10. Einfachheit - die Kunst, die Menge nicht-getaner Arbeit zu maximieren - ist essenziell.

  11. Die besten Architekturen, Anforderungen und Designs gehen aus sich selbst organisierenden Teams hervor.

  12. In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team darüber, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.


In der Praxis sieht die Anwendung des Agilen Manifests nach vielen Jahren der Anwendung etwas anders aus. Für Unternehmen ist es oft ein schön klingender Begriff, der vor allem dazu dienen soll, sich in einer VUCA-Welt gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Diese Erfahrung hat auch Felix Huschka in seiner Rolle als Berater gemacht: „Dem Kunden ist es oft egal, ob man es Agilität nennt. Ihn interessiert, dass er Projekte schneller umsetzen kann als die Konkurrenz (...) Agilität wird damit für den Kunden zu einem semantischen Nebenprodukt.“


 

Quellen

Das ist die offizielle Seite des Agilen Manifestes. Die Werte und Prinzipien wurden in vielen Sprachen übersetzt.


Wikipedia: Dynamic systems development method (Link)

Für die erweiterte Recherche einzelner Themenbereiche (hier zur DSDM) habe ich u.a. Wikipedia genutzt.


Barry Boehm “A Spiral Model of Software Development” (Link)

Für die Erstellung dieses Artikels habe ich mir auch andere Artikel angeguckt, die einen entsprechenden Einfluss auf den Text haben.


Joachim Pfeffer: Scrum (Link)

Für die Erstellung dieses Artikels habe ich mir auch andere Artikel (hier im Projektmagazin) angeguckt, die einen entsprechenden Einfluss auf den Text haben.


Lena Pritzl: Agiles Manifest (Agile Manifesto) (Link)

Für die Erstellung dieses Artikels habe ich mir auch andere Artikel (hier im Projektmagazin) angeguckt, die einen entsprechenden Einfluss auf den Text haben.


Felix Huschka: Agilität in der Praxis (Link)

Im März 2024 habe ich Felix zum Thema "Agilität in der Praxis" interviewt.


Bildmaterial und Lizenzierung

Titelbild: Darstellung des Agilen Manifests

Eigene Kreation (Autor). Das Bild unterliegt CC BY-SA 4.0


Bild 1: Übersicht Rapid Application Development

Eigene Kreation (Autor). Das Bild unterliegt CC BY-SA 4.0


Bild 2: Übersicht Dynamic Systems Development Method

Eigene Kreation (Autor). Das Bild unterliegt CC BY-SA 4.0


Bild 3: Übersicht Scrum Methode

Eigene Kreation (Autor). Das Bild unterliegt CC BY-SA 4.0


Bild 4: Darstellung des Agilen Manifests

Eigene Kreation (Autor). Das Bild unterliegt CC BY-SA 4.0

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